Das Netzwerk für Frauen- und Geschlechterforschung Nordrhein-Westfalen sieht eine Aufnahme von Genderaspekten in möglichst vielen Bereichen des Curriculums eines Studienganges vor und hat diese in Form der Website www.gender-curricula.com aufbereitet.

Im Zuge des Forschungsprojektes „Gender-Aspekte bei der Einführung und Akkreditierungengestufter Studiengänge“ hat das Netzwerk für Frauen- und Geschlechterforschung Nordrhein-Westfalen Gender Curricula zu 54 Studienfächern in einer Datenbank zusammengefasst. Konkret geht es dabei um Vorschläge zur Integration von Lehrinhalten zur Frauen- und Geschlechterforschung in die Curricula aller Studienfächer Deutschlands. Diese Inhalte werden regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht.

Gender Curriculum „Architektur und Städtebau“

In dem Netzwerk findet man einen Lehrplan für die Studienrichtung „Architektur und Städtebau“. Lehrziel des Gender Curriculums für diese Richtung ist unter anderem die Vermittlung des Einflusses der kulturellen Konstruktion von Geschlecht auf die Planung, den Bau sowie die Wahrnehmung von Häusern und Städten. In möglichst vielen Bereichen des Studiums soll ein Verständnis für Genderfragen vermittelt werden. So können beispielsweise im Fach „Architekturgeschichte und -theorie“ Biografien von Architektinnen oder Designerinnen herangezogen und diskutiert werden. Auch im Rahmen von Projekt- und Baumanagement, Gebäudelehre und Entwerfen, Tragwerkslehre und Baukonstruktion, CAD und Städtebau sieht das Gender Curriculum eine Integration von Genderthemen vor. Sehr wichtig ist in diesem Zusammenhang die Vermittlung von Hintergründen und Zielen der Integration der Geschlechterforschung in den Studienplan.

Das Curriculum wurde von Prof. Dr. Mary Pepchinski der Fakultät Bauingenieurwesen/Architektur der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden erstellt.

Gender Curriculum “Raumplanung und Stadtplanung”

Neben dem Lehrplan für „Architektur und Städtebau” gibt es auch einen im Bereich „Raumplanung und Stadtplanung”. Hier sollen die Studierenden das Wechselverhältnis von Raum- und Geschlechterbeziehungen und deren Ko-Konstitutionen erlernen. Dabei sollen empirische Beobachtungen in den jeweiligen zeithistorischen, politischen und soziokulturellen Kontexten analysiert werden und die dadurch erkennbaren Kontigenzen führen dann zu neuen Perspektiven. Gleichzeitig wird auch ein Fokus auf die aktuellen planerischen Herausforderungen gelegt. Durch Diskussionen und der Anwendung dieser Methoden beziehungsweise der Instrumente des Gender Planning während des Studiums soll die Kreativität, das Handlungswissen, sowie die Handlungskompetenz, als auch kritische Reflexionen der professionellen Praxis der Studenten angeregt und auch entfaltet werden.

In dem Lehrplan finden sich eigene Gender Module, aber auch die Verankerung als Querschnittsthema. So gibt es beispielsweise in den Grundlagenfächern (z.B. Modul zu gesellschaftlichen Grundlagen) die Möglichkeit eine einführende Vorlesung zum Thema „Raum und Gender“ zu besuchen, in welche unterschiedlichen thematischen Bezüge zwischen Gender Studies und Raumplanung hergestellt werden. Durch die ständige Integration der Lehrinhalte in verschiedenen Kursen oder Modulen, ist das Thema für Studenten von Anfang an präsent. Gender Studies werden von vornherein als ein selbstverständlicher Bestandteil der Ausbildung gesehen.

Das Curriculum wurde von Dr. -Ing. Sandra Huning der Fakultät Raumplanung an der Technischen Universität Dortmund erstellt.

Weiterführendes:

Website: Gender Curricula

Studienplan: Gender Curricula für Bachelor und Master – Architektur und Städtebau // Mary Pepchinski // 2018

Studienplan: Gender Curricula für Bachelor und Master – Raumplanung und Stadtplanung // Sandra Huning // 2019

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