An der Universität Innsbruck fand im Jahr 1978 die erste frauenspezifische Lehrveranstaltung „Frauen und Politik“ statt. Seither hat die frauen- und genderspezifische Lehre eine nachhaltige Entwicklung in Innsbruck genommen. Die Weiterentwicklung, Verankerung und verstärkte Integration der Geschlechterperspektive in der universitären Lehre ist nach wie vor ein weites Betätigungsfeld und erfordert teilweise viel Fantasie und Hartnäckigkeit. 

Die Universität Innsbruck bietet in jedem Studienjahr ein umfangreiches Angebot an einschlägigen Lehrveranstaltungen aus vielen verschiedenen Fachbereichen: Erziehungswissenschaften, Alte Geschichte, Literaturwissenschaft, Politikwissenschaft, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, Theologie, Psychologie, Germanistik und Romanistik, Architektur und Bauingenieurwesen.

Gender Lehre an der Fakultät für Architektur

Für Bachelorstudierende gibt es beispielsweise jährlich das Seminar „Gender Studies“ als Wahlmodul oder die Vorlesung „Genderforschung“. Das Wahlseminar „Gender Studies“ am Institut für Architekturtheorie und Baugeschichte hatte im Jahr 2018 das Thema „GenderSpace – Feministische Strategien in Raumproduktion und Raumaneignung“. Die Student*innen reflektierten und analysierten entlang von Schlüsseltexten, Blogs und künstlerischen Interventionen im öffentlichen Raum kritisch die Verwobenheit von Geschlecht, Herkunft und Klasse. Dabei wurde unterschiedlichen Fragen, wie beispielsweise „Was und wie wird eine Stadt gebaut?“ oder „Wo liegen Reglementierungen und Ausschlüsse, wo mögliche Raumaneignungen und subverse Zwischenräume?“, nachgegangen. So sollten die Studierenden lernen, über geschlechtergerechtes Bauen nachzudenken und zu sprechen. Zu den Lernergebnissen zählen Kenntnis der Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte der Gender Studies sowie grundlegender Texte, Thesen und Positionen; Entwicklung eines Problembewusstseins in Bezug auf Geschlechtergerechtigkeit in verschiedenen Kontexten und das Erlernen von Argumentationsstrategien.

Für Masterstudent*innen steht im jährlich das Seminar „Mainstreaming in der Architektur“ ebenfalls am Institut für Architekturtheorie und Baugeschichte zur Wahl. In dem Seminar wird aufgezeigt wie verbaute Räume Raum, Architektur, Umwelt Manifestationen von Beziehungsstrukturen und Herrschaftsverhältnissen sind. Also Ausdruck der Stellung der Geschlechter zueinander. Die Rollenbilder der Gender Studies spiegeln sich in der Ausbildung und Arbeitsbedingungen von Architekt*innen wider. Diese wiederum bestimmen die Aneignung der von Männern definierten Räume durch Frauen. Im Zuge des Seminars werden die Geschichte der Rollenbilder, deren Produktion, Mechanismen und Auswirkungen erforscht und hinterfragt, um dann Alternativen aufzeigen zu können.

Weiterführendes:

Curriculum: Fakultät für Architektur // Universität Innsbruck // 2020

Lehrveranstaltung: SE Gender Studies // Haller Katerina // Universität  Innsbruck // 2018

Lehrveranstaltung: Gender-Mainstreaming in der Architektur // Praxmarer Inge // Universität Innsbruck // 2011

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