Rezension der Zeitschrift “Beiträge zur feministischen Theorie und Praxis “  

Das Leben in der feministischen Stadt 

„Es sollte so viele Planerinnen geben, wie es Nutzerinnen gibt.“ 

Das Magazin „Beiträge zur feministischen Theorie und Praxis“ war unter den wesentlichsten Publikationsorganen der westdeutschen autonomen Frauenbewegung und prägte deren Debatten im Zeitraum der Jahre 1978 bis 2008. Die Ausgabe, auf die hier verwiesen wird, wurde von der Gruppe „Frauen, Steine, Erde“ bearbeitet und herausgegeben. Sie hatte zum Ziel Architektinnen, Stadtplanerinnen und Stadtsoziologinnen zu einer gemeinsamen Aktion und Reaktion auf die männliche Dominanz in ihren Berufsfeldern zu organisieren. 

Reproduziert die gebaute Umwelt Geschlechterverhältnisse? 

Ausgangspunkt war die in den 1970er Jahren initiierte Auseinandersetzung der Zweiten Frauenbewegung mit der gebauten Umwelt sowie deren Kritik an den konkreten Wohnverhältnissen der Nachkriegsjahrzehnte, der kleinbürgerlichen Suburbanisierung, der Isolation in anonymen Hochhaussiedlungen sowie der Gewalt im öffentlichen Raum. Ihr Erkenntnisinteresse galt vor allem der Frage, inwiefern patriarchale Strukturen in die gebaute Umwelt verwoben sind und welche Gesellschaft und künftigen Generationen diese wiederum hervorbringen würde.  

Dabei schufen sie autonome Frauenräume und formulierten Theorien sowie utopische Gegenentwürfe zur bestehenden und künftigen Architektur und Stadtpolitik. Sie stellen sich gegen die Annahme, dass eine emanzipatorische Stadtplanung lediglich von Expert*innen und Angehörigen der Profession erreicht werden können. Sie stellten sich auch gegen die Vorstellung, dass diese Veränderungen innerhalb der bestehenden patriarchalen und kapitalistischen Herrschaft auf Anklang stoßen würden. Sie thematisieren stadtpolitische Probleme wie die Gentrifizierung und Verdrängen, klagen das Profitinteresse der Immobilienwirtschaft an und regen dazu an, sich einen utopischen Horizont aufzuspannen und über neue Wohnformen nachzudenken.

Quelle:

Beitrag: Das Leben in der feminitstischen Stadt

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