Zeitungsartikel, Sozialwissenschaften und Berufspraxis (27) 

Das gesellschaftliche Geschlechterverhältnis ist in die räumlichen Strukturen eingeschrieben, Räume sind vergeschlechtlicht.“

Im Mittelpunkt dieses Artikels steht die Frage, wie sich die Dimensionen des Geschlechterverhältnisses in räumlichen Strukturen äußern. Zentrale Betrachtungen dabei waren geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, die Trennung und geschlechterdifferente Konnotation von Öffentlichkeit und Privatheit, die Geschlechterunterschiede in der Verfügung über gesellschaftliche Ressourcen sowie Sexismus und sexualisierte Gewalt als Ausdruck der gesellschaftlichen Subordination von Frauen. 

Vergeschlechtlichung von Räumen und Gender Mainstreaming in der räumlichen Planung   

Die räumliche Trennung von Produktion und Reproduktion, von Erwerbsarbeitsplätzen und Wohngebieten- prägte die Stadtentwicklung der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts besonders. 

Auch zu Beginn des 21. Jh. ist die geschlechterspezifische Arbeitsteilung noch wirksam. Laut Statistik übernehmen rund zweimal so viele Frauen wie Männer den Großteil der Versorgungs-, Betreuungs- und Hausarbeit (Reproduktionsarbeit), ungeachtet dessen ob sie selbst erwerbstätig sind oder nicht, was zu einer Doppelbelastung führt. Aufgrund der Ressourcen- und Vermögensverteilung sind Frauen mehr auf öffentliche Infrastrukturen angewiesen. Sie wählen ihren Arbeitsplatz im Gegensatz zu Männern daher häufig nach Erreichbarkeit, nicht nach Qualität aus. Die klassische Funktionstrennung in den Städten – Suburbanes Wohnen und Arbeiten in der Stadt – verstärkt die Doppelbelastung der Frau. 

Die herrschende Verkehrsplanung, die den (noch) mehr von Männern genutzten motorisierten Individualverkehr privilegiert, wirkt dieser Problematik nicht gerade entgegen. Vielmehr benachteiligt diese alle anderen Mobilitätsformen und schließt immer weitere Bevölkerungsgruppen von eigenständiger Bewegung im Raum aus.

„Gender Mainstreaming bedeutet, dass geschlechtshierarchische Strukturen als gesellschaftlich unerwünscht erklärt und alle in den jeweiligen Handlungsfeldern entscheidenden Kräfte verpflichtet werden, mit all ihren Handlungen zum Abbau solcher Strukturen beizutragen.“ 

Gender Mainstreaming unterstützt die naturalistische These Geschlechter spezifischer räumlicher Bedürfnisse, die auf dem Unterschied der Geschlechter Identität basiert, nicht. Vielmehr geht es darum, mit gesellschaftlichen Ursachen für geschlechtsspezifische Raumbedürfnissen umzugehen mit „praktischen und strategischen Anforderungen an räumliche Planung“. 

Unter praktischen sind solche zu verstehen, die Frauen helfen, die ihnen zugeschriebenen Aufgaben zu erfüllen („frauenfreundlich“, „frauengerecht“) während strategische auf die Überwindung dieser Zuschreibungen abzielen.

Quelle: 

https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0168-ssoar-38351  

Becker, R. (2004). Feministische Kritik an Stadt und Raum: Gender Mainstreaming und Managing Diversity. Sozialwissenschaften und Berufspraxis, 27(4), 377-386 

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