Nach 35 Jahren Berufserfahrung in ihrem eigenen Büro bemerkte Beverly Willis die auffällige Unterrepräsentation von Frauen in der Geschichtsschreibung der Architektur.

Im Jahr 2000 tat sie sich mit Diane Favro, Lian Mann und Heidi Gifford zusammen und gemeinsam gründeten sie zwei Jahre später die BWAF. Die nonprofit Organisation setzte sich das Ziel, das Wissen und die Anerkennung der Leistungen von Frauen im Gebiet der Architektur in Amerika zu erhöhen und zu verbreiten. 

Vielseitiger Einsatz 

Ursprünglich als Stiftung zur Vergabe von Forschungsstipendien zur Unterstützung von Projekten, die sich mit Frauen in der amerikanischen Architekturgeschichte befassen, gedacht, ist der Einsatz der BWAF heute sehr vielseitig. Neben einer breit aufgestellten Literatur- und Filmsammlung unterstützt die Stiftung Einzelpersonen mit dem Leadership Preis, der auf einer jährlichen Gala vergeben wird, sowie aufstrebende Architektinnen mit dem Emerging Leaders Programm, das einer kleinen Gruppe junger Frauen erfolgreiche weibliche Vorbilder aus verschiedensten Berufsfeldern an die Seite stellt und so einen Austausch auf Augenhöhe ermöglicht. Zudem setzt sich die Organisation gegen sexuelle Belästigung und Missbrauch in kreativen Berufen ein und machte beispielsweise mit einem Vortragsabend im April 2019 auf das Thema aufmerksam. Alle Projekte sind spendenbasiert. 

Zwei Projekte: Built by Women und Pioneering Women of American

Architecture

Seit 2014 sammelt das BWAF mehrere hundert gebaute Beiträge von Frauen in den Gebieten, Architektur, Bauingenieurwesen, Denkmalpflege, Landschaftsgestaltung und Stadtplanung im Raum New York und DC. Diese werden in einer Ausstellung präsentiert und einer größeren Öffentlichkeit zugänglich gemacht, zudem werden Preise an ausgewählte Arbeiten verliehen und die Projekte in einer Karte gesammelt. Dadurch sind Interessierte eingeladen, die Objekte selbst zu besuchen und so einen persönlichen Eindruck von “weiblichem” Bauen zu bekommen.
Ein weiteres wichtiges Projekt, das von der BWAF unterstützt wird, ist das Projekt Pioneering Women of American Architecture. Dieses beleuchtet das Leben und Wirken von 50 erfolgreichen Architektinnen in Amerika, die vor 1940 geboren wurden in ausführlichen Profilen und dokumentiert die jeweils ganz eigenen Leistungen und überwundenen Hindernisse in den verschiedenen Lebensläufen. 

Frauen in der amerikanischen Architekturgeschichte

Trotz der Vielseitigkeit der Arbeiten der BWAF ist dennoch ein klarer Schwerpunkt auf die amerikanische Architektur- und Baugeschichte gesetzt und konsequent verfolgt worden. Diese Eingrenzung mindert den Informationsgehalt der verschiedenen Projekte jedoch keinesfalls, vielmehr wird durch sie neben der Leistung der einzelnen Frauen auch die amerikanische Kulturgeschichte auf eine einzigartige Weise beleuchtet und die heutige gebaute Umwelt der USA in direktem Zusammenhang mit weiblicher Arbeit gestellt. Anders als viele andere Institutionen und Organisationen schafft es die BWAF, sowohl die Vergangenheit (Pioneering Women of American Architecture) als auch die Gegenwart (Built by Women) zu beleuchten und miteinander zu verknüpfen.

Weiterführendes:

Online-Auftritt der BWAF

Portraits ausgewählter Pionierinnen

“Built by Women”-Karten einzelner Städte

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