Ein großes Manko für die mangelnde Präsenz selbstständiger Architektinnen ist das in unserer Gesellschaft fehlende Bewusstsein für die Stärke weiblicher Eigenschaften. Dies beginnt in unserer Sozialisation, die Frauen die ihnen zustehenden Rahmenbedingungen zur Entfaltung ihres Gesamtpotentials verwehrt.

Die lange Historie traumatisierender Erfahrungen führt dazu, dass Frauen sich trotz gleicher Qualifikationen stets im Schatten ihres geschlechtlichen Pendants bewegen. Durch ein ständiges Infragestellen der eigenen Kompetenzen werden weibliche Vorstellungen und Realisierungen in der Architektur an den Rand gestellt. Weiters zählt hinzu, dass Frauen für das Umsetzen ihrer Bestrebungen weniger Risikobereitschaft zeigen. Ein gesamtgesellschaftlicher Paradigmenwechsel, der auch das Empowerment von Frauen miteinschließt, könnte einen Lösungsansatz bieten.

Worin besteht nun dieses Empowerment? Einer grundlegenden Reform bedarf es im Ausbildungswesen. Eine gender-sensible Edukation sollte sich in allen Institutionen etablieren und von entsprechenden Role Models unterstützt werden. Jene Role Models zeigen sich in Frauen und/oder Müttern als selbstständige Architektinnen oder Expertinnen im Architekturwesen ohne Vereinbarkeitsproblematik zwischen Beruf und Familie.

Um weiters die hohe Drop-Out-Quote von Architekturstudentinnen nach dem Studium zu reduzieren, sind Aufträge der öffentlichen Hand zwingend an Förderprogramme für Ziviltechnikerinnen zu binden. Ebenso besteht Bedarf an öffentlich geförderten frauenspezifischen Weiterbildungsmöglichkeiten, welche optimalen Rahmenbedingungen entsprechen müssen und inhaltlich auf Empowerment abzielen.

Die Generation jüngerer Architektinnen, die bereits in einem geschlechter-sensiblen Umfeld sozialisiert wurde, sieht sich jedoch nicht mehr dem polarisierten Kategoriendenken von männlich und weiblich verpflichtet, sondern partizipiert an einer egalitären Gesamtschau von Architektur. Letztendlich droht die Stärkung selbstständiger Architektinnen trotz allem an den nach wie vor patriarchalen Rahmenbedingungen zu scheitern, die der gleichberechtigten Partizipation in Architektur und Gesellschaft nicht gerecht werden. 

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(in Arbeit)

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